Die Deadline rückt unaufhaltsam näher, aber das Blatt ist leer? Jeder kennt diese Momente, in denen einem einfach nichts einfallen will. Doch die „geniale“ Idee lässt sich nicht erzwingen. Zum Glück gibt es einfache Kreativitätstechniken. Davon hat unsere Trainee Claudia Hanslmeier einige bei einem Webinar der Bayerischen Presseakademie kennengelernt. 

Was haben der Protagonist „Tiger King“ und ein Safarispiel gemeinsam?

Die Menschen der Antike glaubten an Eingebungen von Musen. Letztere waren gottähnliche Wesen und standen kreativen Köpfen zur Seite. Sie brachten ihnen Inspiration und Erfolgserlebnisse. Bis heute hoffen viele darauf, dass ihnen kreative Ideen von alleine zufliegen. 

Aber wissen Sie was? Vergessen Sie die Muse! Es geht auch ohne sie, denn es gibt Techniken, um die Kreativität anzukurbeln. 

Besonders hilfreich bei der Ideenfindung ist das Cluster-Modell. Und das geht so: In die Mitte eines Blattes schreiben Sie den Arbeitstitel, beispielsweise das Stichwort „Safarispiel“. Dann lassen Sie Ihren Assoziationen freien Lauf.  Schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt – Hemmungslos und ohne „Schere im Kopf“. Die Ideen teilen Sie in Ober- und Unterkategorien ein. Ich habe mich zum Beispiel vom Wort „Safarispiel“ unter anderem zu den Wörtern Kenia, Zebra und Tiger gehangelt. Am Ende meiner Assoziationskette stand das Wort Tiger King auf meinem Blatt. So ergibt sich ein möglicher brandaktueller Aufhänger für einen Text über ein Safarispiel. Wer hätte gedacht, dass es eine Verbindung mit Tiger King, dem schillernden „Trash“- Protagonisten der beliebten Netflixserie „Großkatzen und ihre Raubtiere“, und einem konventionellen Safarispiel gibt? 

Beispiel für ein Cluster zum Wort „Safarispiel“

So entstehen Ideen jenseits der ausgetretenen Pfade. Wenn Sie alle Ihre Assoziationen auf das Blatt geschrieben haben, beginnen Sie mit dem Schreiben Ihres Textes. Sie werden sehen, mit dieser Technik geht es viel leichter von der Hand. Auch wenn Sie manchmal nicht wissen, wohin die Reise gehen soll: Das Cluster strukturiert das Konzept und den Text. 

Ein weiterer Vorteil: Die Technik eignet sich auch für Teams etwa bei der Vorbereitung von Pitches. Sie macht nicht nur Spaß – sie bindet auch alle Gruppenmitglieder aktiv in die Ideenfindung ein, auch die stillen und schüchternen Kollegen.

So einfach geht Storytelling: Vom leblosen Objekt zur abenteuerlichen Reise

Sie sind eher der visuelle Typ? Dann ist die nächste Technik besonders für Sie geeignet. Denn bei dieser Methode betrachten Sie ein Bild. 

Nehmen wir zum Beispiel das Foto eines Spielzeug-Piratenschiffs. Sie schreiben innerhalb von fünf Minuten alles auf, was Ihnen dazu einfällt. Aus einer einfachen Bildbeschreibung kann sich eine komplexe Geschichte entspinnen. Ein lebloses Objekt kann sich so zu einer abenteuerlichen Fahrt während eines tosenden Sturms auf hoher See entwickeln. Durch das Assoziieren entstehen zahlreiche Bilder in Ihrem Kopf, die sich mit Ihren Emotionen aufladen. Hier gilt: Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf, ohne diese zu werten. Das Ergebnis: Eine Geschichte aus der eigenen Feder, die Ihnen wichtige Impulse gibt und den Druck aus einer Stresssituation nimmt. 

Handschriftliches Schreiben fördert die Kreativität

Eine weitere Methode kennen die meisten aus der Schule: die Reizwortgeschichte. Aus drei bis vier Wörtern soll eine Geschichte entstehen. Was fällt Ihnen zu den Wörtern Eule, Baum, Goldbarren und Fahrrad ein? Nehmen Sie am besten einen Stift in die Hand und schreiben die Geschichte auf.

Es kann manchmal so einfach sein

Einen weiteren positiven Nebeneffekt erzielen Sie, wenn Sie mit der Hand schreiben, anstatt zu tippen. Denn besonders beim handschriftlichen Schreiben aktivieren Sie die rechte und linke Gehirnhälfte gleichzeitig. Kreative und komplexe Texte entstehen so leichter. Denn nach mehreren Studien sind beide Gehirnhälften für das Denken und Sprechen verantwortlich.

Mit dreizeiligen Gedichten kraftvolle und prägnante Sprachbilder formen

Auch aus kleinen Übungen lässt sich viel herausholen. Wie beispielsweise mit einem Haiku, einer traditionellen japanischen Lyrikform, die sich auf drei Zeilen beschränkt. Vorgegeben ist eine bestimmte Zahl an Silben: Die erste Zeile besteht aus fünf, die zweite aus sieben und die dritte wieder aus fünf Silben. Auf diese Weise geben die Silben den Rhythmus vor und bestimmen die Form. Die Übung ist deshalb so wirkungsvoll, weil Sie schnell merken, welche Wörter besonders kraftvoll und prägnant wirken. Denn die Macht der Worte ist in Haikus bestimmend und lässt sich auch auf andere Bereiche in ihrem Arbeitsleben übertragen. Außerdem lockert diese Übung den Ideenfindungsprozess auf.

So könnte beispielsweise ein Haiku aussehen

Kreative Techniken machen auch nach Feierabend Spaß

Egal ob Haikus, Reizwortgeschichten oder das Cluster, alle Methoden haben ihre Vorzüge. Besonders gut hat mir die intuitive Herangehensweise bei der Cluster-Methode und den Haikus gefallen. Mit dem Cluster habe ich bereits an einem Konzept gearbeitet – was mir leichter von der Hand ging als sonst. Ein paar Haikus habe ich auch schon nach Feierabend  geschrieben. Sie leeren den Kopf und machen viel Freude. Der Workshop hat mir gezeigt, wie man mit einfachen Techniken eine Kreativitätsflaute überwinden kann.